Kein Stellenabbau bei Zeiss in Göttingen! Demobericht:

Bericht der Göttinger Linksjugend, Basisgruppe Revolutionärer Antikapitalist*innen

Am 31.10.2015 waren wir mit unserer Basisgruppe auf der Demonstration der IG Metall gegen den geplanten Stellenabbau am Standort Göttingen. Am Startpunkt Schützenplatz hatten sich ca. 650 Teilnehmer eingefunden, um sich solidarisch mit den Beschäftigten zu zeigen!

Die Demo endete am Jacobikirchhof mit einer Kundgebung. Die geplante Rede unseres Genossen Manuel Dornieden wurde leider kurzfristig mit der Begründung des Zeitmangels gestrichen. Sehr zu unserem Unmut, da alle Redebeiträge ein kämpferisches Profil vermissen ließen und die SPD bei ihrer Rolle der Standortabwicklung auf Raten in keiner Weise kritisierten! Der Ratsherr der LINKEN sprach sich aber als einziger Redner für den Erhalt aller Arbeitsplätze am Standort Göttingen aus. Der Betriebsrat und die Gewerkschaft sollten nun den Mut aufbringen, bei Nichterfüllung der Forderung in den Streik zu treten, und die Kolleg*innen mit aller Kraft zu vertreten. Der Samstag sollte allen Beschäftigten Mut gemacht haben, was möglich ist, wenn die Gewerkschaften in Kombination mit dem Betriebsrat ihr Potential der Mobilisierung ausnutzen! Und wenn das auch noch auf andere Zeiss-Standorte übergreift, wird die Solidarität zu einer Waffe!

Der Fall Zeiss zeigt aber mal wieder, dass Betriebe trotz sprudelnder Gewinne zugunsten der Profitmaximierung immer wieder Stellen streichen werden. Deshalb treten wir für die Überführung in öffentliches Eigentum unter demokratischer Kontrolle der Belegschaft ein.

Hier die gestrichene Rede unseres Genossen Manuel Dornieden:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich bin Manuel Dornieden und möchte euch die solidarischen Grüße der Göttinger Linksjugend und der Sozialistischen Alternative überbringen. Als sozialistischer Jugendverband unterstützen wir den Kampf der Zeiss-Belegschaft für den Erhalt des Göttinger Standortes mit allen Arbeitsplätzen und Funktionsbereichen. Dafür haben wir uns aktiv an der Unterschriftensammlung beteiligt.

Die Kahlschlag-Pläne der Geschäftsführung gefährden nicht nur mehr als 400 Stellen bei Zeiss-Göttingen, sondern auch die vieler Zulieferbetriebe. Selbst wenn es nicht zu massenhaften Kündigungen kommt: Jeder gestrichene Arbeitsplatz ist ein Arbeitsloser mehr in unserer Stadt!

Ohne Industriebetriebe und die Wertschöpfung ihrer hochqualifizierten KollegInnen fehlt noch mehr Geld in den Kassen der Kommune. Ohne sie hat auch die Wissenschaft und die Jugend in dieser Stadt keine Zukunft.

Da hier auch ein Vertreter der SPD gesprochen hat, sei ein Hinweis auf ihre gestern veröffentlichte Resolution zu Zeiss gestattet: Mit der Forderung, daß (Zitat) “die verbleibenden 240 Stellen gesichert werden sollen”, akzeptiert die Göttinger SPD ausdrücklich die Pläne der Geschäftsführung zur Vernichtung von 450 der bisher 690 Arbeitsplätzen bei Zeiss Göttingen. Im Namen der Erhaltung des Standortes soll er mit dem Segen der SPD faktisch plattgemacht werden. Das sind, mit Verlaub, zynische Hilfsdienste für die Unternehmer!

Umso notwendiger ist nicht nur der Widerstand der unmittelbar betroffenen Zeiss-Belegschaft und der IG Metall, sondern auch deren öffentliche Unterstützung durch die Göttinger Bevölkerung und alle Gewerkschaften. Diese Kundgebung und fast 10 000 Unterschriften zeigen, dass die Bereitschaft zur Solidarität vorhanden ist.

Aber was geschieht, wenn die Geschäftsleitung dennoch an ihren Kahlschlag festhält, nur um trotz guter Umsätze noch mehr Gewinne einzufahren und Weltmarktanteile auszubauen, wie es vor einigen Tagen im Göttinger Tageblatt angekündigt wurde?

Unser Jugendverband und der Göttinger Kreisverband der LINKEN begrüßt, dass die IG Metall in der Presse für diesen Fall weitergehende Kampfmaßnahmen und Arbeitsniederlegungen angekündigt hat. Der Streik bleibt das wichtigste Recht und die wirksamste Waffe der Gewerkschaften gegen Unternehmerwillkür. Dafür haben die Gewerkschaftsmitglieder jahrelang ihre Beiträge eingezahlt, dafür müssen sie jetzt auch genutzt werden, wenn nicht nur Hunderte von Stellen, sondern die Zukunft von Zeiss-Göttingen insgesamt auf dem Spiel stehen!

Der Zeiss-Betriebsratsvorsitzende Torsten Dreyer hat gegenüber der LINKEN erklärt, dass Verhandlungen mit der Geschäftsführung über einen Sozialplan nicht auf der Grundlage dieser Kahlschlagpläne und erst nach solchen Kampfmaßnahmen stattfinden können. Durch ein Ja zum Arbeitsplatzabbau nach der bekannten Salami-Taktik kann Zeiss in Göttingen nicht gerettet werden.

Nach dieser Kundgebung werden die IGMetaller bei Zeiss in einer Mitgliederversammlung selbst entscheiden, welche Kampfmaßnahmen sie zur Verteidigung ihrer Arbeitsplätze für notwendig halten. Wir werden sie dabei ebenso unterstützen wie beim Streik der KollegInnen im Sozial- und Erziehungsdienst.

Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren!

Ich danke euch für eure Aufmerksamkeit!

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