Schluss mit der Stadtfixierung – Linksjugend für die Jugend auf dem Lande!

Resolution der Landesmitgliederversammlung vom 25.-26.07.2015 in Göttingen

Die Linksjugend [’solid] hat ein strukturelles Problem, grade hier in Niedersachsen. Obwohl große Teile dieses Bundeslandes aus provinziellen Gegenden bestehen, gibt es fast nur in Ballungszentren Basisgruppen der Linksjugend. Wenn dadurch auch der Hauptteil an Genoss*Innen nur aus urbanen Lagen kommt, hat das auch Einfluss auf die konkrete Politik unseres Jugendverbandes. Die speziellen Problemlagen der Jugend in den ländlichen Gebieten finden kaum Beachtung.
Wir dürfen aber – grade angesichts der Tatsache, dass nächstes Jahr Kommunalwahlen sind – diese Menschen nicht vernachlässigen. Genau dort wo wir unsere Schwächen haben, haben rechte Schergen ihre Stärken. Grade in strukturschwachen Gegenden wie Northeim, wo die Jugend eine große Unzufriedenheit verspürt, gedeiht die Saat des Hasses, die von diesen geistigen Brandstiftern gestreut wird, auf beängstigende Art und Weise. Eine linke, antikapitalistische Antwort auf ihre Probleme, wird ihnen nicht gegeben. Wir als Linksjugend tragen eine Mitschuld am Erstarken solcher rechten Strukturen im ländlichen Raum. Es kann nicht sein, dass wir ein solches Unzufriedenheits- und Wutpotenzial nicht nutzen, um eine starke, sozialistische Bewegung aufzubauen.

Auch unsere ganz praktische, kommunale Politik, geht an den Sorgen der Landbevölkerung vorbei. So reden wir beispielsweise über Konzepte für einen kostenfreien ÖPNV für Jugendliche, vergessen aber dabei die Tatsache, dass viele Dörfer und Kleinstädte, kaum bis gar nicht mehr daran angeschlossen sind. Oder wir beschäftigen uns mit Datensicherheit im Internet, kümmern uns aber gar nicht darum, dass es immer noch Gegenden gibt, die gar kein oder nur sehr langsames DSL haben.

Das Land birgt ein immenses Potenzial. Die Vermögensverteilung, und der Stadt-Land Gegensatz, gleichen sich zunehmend einander an. Die Gentrifizierung, drängt die ärmeren Schichten aus den Städten heraus; die schlechte Infrastruktur, drängt gleichzeitig diejenigen, die es sich leisten können, in die Städte. Mit verheerenden Folgen, besonders für das Land.

Tanz und Musikveranstaltungen werden immer schlechter besucht und zunehmend gar nicht mehr angeboten. Selbst einfache Kneipenbesuche sind oftmals kaum noch zu organisieren. In vielen Dörfern, haben die letzten Gaststätten längst geschlossen. Nimmt man dann die Bürde auf sich, in die Stadt zu fahren, um Freizeitaktivitäten nachzugehen, die es auf dem Dorf schlichtweg nicht mehr gibt, kommt man meistens vor dem nächsten Morgen nicht mehr zurück. Nächtlicher ÖPNV zwischen Stadt und Land ist de facto nicht existent.

Deshalb fordert die Landesmitgliederversammlung den kommenden LSPR zu Folgendem auf:
1. Der LSPR bemüht sich darum, auf dem Land Basisgruppen der Linksjugend aufzubauen.

2. Der LSPR setzt sich mit den Problemen der Landjugend auseinander.

3. Der LSPR nimmt Kontakt zu den Linksjugendvertreter*Innen in den kommunalen Parlamenten auf und unterstützt sie bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben.

4. Änderungsantrag : Der LSPR wird beauftragt mindestens 1/3 seiner Sitzungen in Städten unter 10000 Einwohnern abzuhalten, und sich mit der SItuation der dortigen Genoss*Innen zu beschäftigen (nur Sinnhaft rekonstruiert)

Außerdem werden die Basisgruppen dazu angehalten, in ihrer näheren ländlichen Umgebung Aktionen durchzuführen oder bestehende Aktionen im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu unterstützen.

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